Vorbereitungsdienst in Sachsen

Die pädagogisch-praktische Ausbildung in Form eines Vorbereitungsdienstes findet an Ausbildungseinrichtungen der Sächsischen Bildungsagentur in Dresden (Grundschule, Mittelschule, Gymnasium, berufsbildende Schule) mit Außenstelle in Löbau (Gymnasium) und in Leipzig (Grundschule, Mittelschule, Gymnasium, Sonderpädagogik) mit der Außenstelle Chemnitz (Grundschule, Mittelschule, Gymnasium, Sonderpädagogik) sowie an einer  Schule statt.

Als Lehrkraft im Vorbereitungsdienst steht man in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis. Da man unmöglich von Anfang an alle Strukturen im öffentlichen Dienst kennen und durchschauen kann, ist es wichtig zu wissen, wo bestimmte Regelungen nachzulesen sind.

Die Rechtsabteilung des Sächsischen Lehrerverbandes steht Lehramtsanwärtern und Studienreferendaren im Vorbereitungsdienst sowie Studierenden gern beratend zur Seite (Telefon 0351 8392217).

18 Monate Ausbildungszeit

Seit 2017 beträgt die Dauer des Vorbereitungsdienstes 18 Monate. Auch der Sächsische Lehrerverband hatte die Verkürzung auf 12 Monate sehr kritisch gesehen und bereits im Rahmen des Gesamtpaketes zum Generationenwechsel von 2013 wurde die Option einer Verlängerung vereinbart.

Basierend auf einer Vereinbarung zwischen den Gewerkschaften und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus wurde er um ein halbes Jahr auf 18 Monate verlängert. Auf der Grundlage der Lehramtsprüfungsordnung II (LAPO II) wird nun jährlich der 18-monatige Vorbereitungsdienst im Freistaat Sachsen durchgeführt. Er beginnt am 1. Februar und am 1. August eines jeden Jahres. In diesen werden Bewerber aufgenommen, die die Erste Staatsprüfung, einen Abschluss als „Master of Education“ oder eine als gleichwertig anerkannte lehramtsbezogene Hochschulabschlussprüfung besitzen.

Der Antrag auf Zulassung zum

  • am 1. Februar beginnenden Vorbereitungsdienst ist bis zum 1. September des Vorjahres und für den
  • am 1. August beginnenden Vorbereitungsdienst bis zum 1. März desselben Jahres

bei der Regionalstelle Dresden (Zulassungen für das Höhere Lehramt an berufsbildenden Schulen und das Höhere Lehramt an Gymnasien) bzw. der Regionalstelle Leipzig (Zulassungen für das Lehramt an Grundschulen, das Lehramt Sonderpädagogik und für das Lehramt an Mittelschulen) der Sächsischen Bildungsagentur einzureichen.
Für das Abschlusszeugnis sowie das erweiterte behördliche Führungszeugnis wird eine Nachfrist bis zum 1. Dezember bzw. 1. Juni gewährt. Die Vorlage des Gesundheitszeugnisses (nicht älter als 3 Monate) muss bis zum 1. März bzw. 1. September erfolgen.
Bewerbungsunterlagen sind in der Regel zwei Monate vor Antragsfrist auf dem Sächsischen Bildungsserver erhältlich: www.lehrerbildung.sachsen.de/21089.htm.

Gymnasiallehramtsstudierende können sich auch zum Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Mittelschulen bewerben. Eine gleichzeitige Bewerbung für beide Vorbereitungsdienste – Gymnasium und Mittelschule – ist nicht möglich. Mit dem Bestehen der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Mittelschulen kann auch nur in dieser Schulart unterrichtet werden.

Organisation und Ablauf

Die Ausbildung in Schulrecht und Lehrerdienstrecht, den jeweiligen Fachdidaktiken sowie den Bildungswissenschaften erfolgt nach einem einheitlichen Curriculum für die verschiedenen Lehrämter.

Der erfolgreichen Umsetzung des Kerncurriculums sollen verschiedene Instrumente dienen. Dazu zählen unter anderem Praxisaufgaben, das Anlegen eines Portfolios, Zielvereinbarungsgespräche mit den Hauptausbildungsleitern sowie verbindliche Absprachen zwischen den Haupt- und Fachausbildungsleitern. Außerdem sind in die Ausbildung sogenannte Kompakttage integriert. Diese dienen der Klärung von Problemen, schaffen Raum für Gespräche und sollen letztendlich eine einheitliche Basis bei ungleichen Ausgangsbedingungen der Referendare schaffen.

Ausbildung an der Schule

An den Ausbildungsschulen werden die Lehrer im Vorbereitungsdienst durch die Schulleiter und Mentoren beraten und betreut. Die durchzuführenden Hospitationen und Unterrichtstunden verteilen sich folgendermaßen auf die Dauer des Vorbereitungsdienstes:

Zeitraum Referendar/Lehramtsanwärter Mentor Schulleiter
1. – 6. Monat pro Woche i.d.R. 16 Unterrichtsstunden, davon i.d.R. 8 – 10 Stunden begleiteter Unterricht Hospitation im begleiteten Unterricht ggf. Schulleiterbeurteilung
7. – 18. Monat

pro Woche mind. 3 Stunden Hospitation;

i.d.R. 12 Stunden selbstständiger Unterricht

pro Woche i.d.R. 2 Stunden Hospitation pro Fach/beruflicher Fachrichtung;

Einführung in die inhaltlichen und organisatorischen Aufgaben des Klassenleiters

Ausbildung in Angelegenheiten der Schulorganisation/Unterrichtsbesuche

 Ausbildung an der Sächsischen Bildungsagentur

Die Lehramtsanwärter/Studienreferendare bearbeiten Aufgaben in Heimarbeit zur Vorbereitung auf die Lehrveranstaltungen. Die Präsenzveranstaltungen dienen der Vertiefung und Bearbeitung von Fallbeispielen. Die Leiter der Ausbildungsstätten erteilen dienstliche Anordnungen, üben die Fachaufsicht über die Ausbildung aus und organisieren den Lehrbetrieb. Zudem sind sie verantwortlich für die Erstellung schulartspezifischer Ausbildungskonzepte und koordinieren zwischen Schulleiter, Lehrbeauftragten und Mentoren. Die Lehrbeauftragten betreuen den Lehramtsanwärter oder Studienreferendar, hospitieren im Unterricht, besprechen mit ihm die hospitierten Unterrichtsstunden.

Zweite Staatsprüfung

Die Staatsprüfung besteht aus den Prüfungslehrproben, den mündlichen Prüfungen und der Schulleiterbeurteilung. Die Prüfungslehrproben und die mündlichen Prüfungen sollen innerhalb der letzten vier Monate des Vorbereitungsdienstes stattfinden. Die Schulrechtsprüfung kann bereits acht Monate nach Beginn des Referendariats abgelegt werden.

Auf die Schularten verteilt gestalten sich die Prüfungslehrproben wie folgt:

  • Grundschule: jeweils eine Lehrprobe in Deutsch oder Sorbisch und Mathematik, davon eine in Klasse 1 oder 2
  • Mittelschule: jeweils eine Lehrprobe in den studierten Unterrichtsfächern
  • Sonderpädagogik: zwei Lehrproben in unterschiedlichen Klassenstufen im studierten Fach der Mittelschule oder in 2 Fächern der Grundschule
  • Gymnasium: jeweils eine Lehrprobe in den studierten Unterrichtsfächern, eine davon in der Sekundarstufe II
  • Berufsbildende Schulen: jeweils eine Lehrprobe in den studierten Unterrichtsfächern oder beruflichen Fachrichtungen, in der Regel in unterschiedlichen Klassen- oder Jahrgangsstufen verschiedener Schularten

Für die Abnahme der Prüfungslehrproben und der mündlichen Prüfungen werden Prüfungskommissionen eingerichtet, bestehend aus einem Vertreter der Schulaufsichtsbehörden oder einer Lehrkraft als Vorsitzenden und einem Lehrbeauftragten. Zusätzlich kann je ein Vertreter des Staatsministeriums für Kultus, der Sächsischen Bildungsagentur und des Sächsischen Bildungsinstituts als Zuhörer teilnehmen. Die Prüfungslehrproben bestehen aus der ausführlichen schriftlichen Unterrichtsvorbereitung, der Durchführung der Unterrichtsstunde und deren mündlicher Reflexion durch den Lehramtsanwärter/Studienreferendar.

Vergütung im Vorbereitungsdienst

In Folge des Maßnahmenpakets „Zukunftsfähige Schule für Sachsen“ vom Oktober 2016 sollen Lehramtsanwärter/-innen und Studienreferendar/-innen zukünftig eine bessere Bezahlung erhalten.

Ein Zuschlag in Höhe von 390,00 Euro kann ihnen monatlich gewährt werden unter der
Voraussetzung, dass sie den Vorbereitungsdienst abschließen. Bei Teilzeitbeschäftigung wird der Zuschlag im gleichen Verhältnis wie die Arbeitszeit gekürzt.

Die Lehramtsanwärter/Studienreferendare erhalten Ausbildungsbezüge gemäß des Eingangsamtes für Lehrkräfte ihrer Schulart, das in der sächsischen Besoldungsordnung ausgebracht ist (siehe Tabelle).

Weitere Informationen zum Vorbereitungsdienst