Anforderungsprofile der einzelnen Schularten

Die richtige Schulart wählen

Im letzten Jahrzehnt ist die Lehrerausbildung in Sachsen nicht mehr dem Bedarf der verschiedenen Schularten gerecht geworden. Die „Polyvalenz“ im Bachelorstudium beinhaltete, dass angehende Grund-, Oberschul- und Gymnasiallehrer gemeinsam die jeweiligen Fächer studierten. Theoretisch war die Entscheidung für eine Schulart erst vor dem Masterstudiengang notwendig. Die meisten Studierenden hatten sich aber schon vor ihrer Immatrikulation für das Gymnasium entschieden. An Grund- und Oberschulen werden in den kommenden Jahren deshalb die meisten Lehrer fehlen.

Verteilung Studienanfänger, Lehramtsstudierende und Lehrkräfte nach Schularten in Sachsen

Grundschule – Primarstufe

Primarstufenlehrer/-innen erteilen allgemeinbildenden Unterricht in den Klassen 1 bis 4. Als „Allrounder“ bringen sie Wissen und Kompetenzen aus mehreren verschiedenen Bereichen mit. Grundschullehrer werden meist als Klassenleiter eingesetzt. Teilweise findet Unterricht auch fächerübergreifend statt, d. h., sie lehren eine Vielzahl an Grundfächern der Schule, i. d. R. Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, und erteilen Unterricht in „ihrem“ Wahlfach (z. B. Englisch, Musik, Kunst, Ethik, Religion, Werken etc.). In der Regel teilen sie sich mit weiteren Lehrern die unterschiedlichen Unterrichtsfächer auf.
Eine Spezialisierung wie an den weiterführenden Schulen, wo fast jedes Fach von einem anderen Lehrer unterrichtet wird, findet in der Primarstufe in der Regel nicht statt.

Grundschullehrer/-innen bringen den Kindern konkrete Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen bei. Sie unterrichten die Grundlagen verschiedener Fächer und vermitteln den Kindern zudem gesellschaftlich akzeptierte Verhaltensweisen sowie das allgemeingültige Wertesystem. Hierbei spielt die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Grundschullehrer/-in eine wichtige Rolle. Vermehrt treten in diesem Bereich Probleme auf, überwiegend bei sozial schwachen Familien und bei Familien mit bestimmten Migrationshintergründen, vor allem in Ballungsgebieten mit hohem Ausländeranteil. Eine vorschulische Sprachstandsuntersuchung soll dem entgegenwirken. Die Zahl der Kinder, die mit mangelnden deutschen Sprachkenntnissen in die Schule kommen, ist zunehmend, was Grundschullehrer/-innen vor eine hohe Anforderung stellt. Psychologische Grundkenntnisse sind deshalb erforderlich, auch um mit Aufgaben wie Psychohygiene, Stressmanagement und Konfliktbewältigung umgehen zu können. Lehrer/-innen an der Grundschule müssen in der Lage sein, ihre Schüler/-innen zu beobachten, Lernprozesse zu analysieren und dementsprechend den weiteren Unterricht zu planen. Zur Kontrolle des Lernstandes führen sie regelmäßig Tests und Arbeiten durch, die in Heimarbeit kontrolliert werden müssen. Auch der Unterricht wird zu Hause vorbereitet. Diese Aufgaben, aber auch allgemeine bürokratische Tätigkeiten gehören zum Berufsbild.

Ein wichtiger Bestandteil des Studiums ist die Pädagogik. Weil die Schüler der Grundschule sehr jung sind, hat der Lehrer oder die Lehrerin im Besonderen auch die Aufgabe der Erziehung und nicht nur der puren Wissensvermittlung. Die Schule dient als Lern- und Lebensort des Kindes und ist vom Lehrenden aktiv und in Teamarbeit mitzugestalten. Als wichtige Voraussetzung für den Beruf sollte man deshalb Spaß am Umgang mit Kindern haben und Freude am Erklären und Lehren mitbringen. Auch Ehrgeiz, Neugierde, Einsatzbereitschaft und Sozialkompetenz gehören zum Profilbild des Grundschullehrers bzw. der -lehrerin. Wichtige Voraussetzungen sind aber auch die Liebe zum Kind sowie Geschick, Beziehungen zu Kindern aufzubauen und sie zum Lernen zu motivieren. Die Didaktik ist ebenfalls ein wesentlicher Baustein in der Grundschullehrerausbildung. Um das Lernen lehren zu können, müssen die Pädagogen/-innen selbst Experten sein und sich ständig weiterbilden. Grundschullehrer/-innen sind mit ihrem Wohn- und Arbeitsort meist sehr bodenständig. Diese regionale Bindung ist für das Schüler-Lehrer-Verhältnis und die Unterrichtsgestaltung, z. B. im Sachunterricht, von Vorteil. Insgesamt hat sich der Beruf in den letzten Jahrzehnten zu einer Frauendomäne entwickelt, Männer sind hier eher die Ausnahme. Es ist wünschenswert, dass sich mehr männliche Interessenten finden, zumal gerade die Schulkinder der Grundschule altersbedingt auch männliche Bezugspersonen und Vorbilder benötigen.

Sekundarstufe I und II

Wer andere für sein Fachwissen motivieren, Interesse am Lernen wecken und Jugendliche auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben begleiten will, ist an einer weiterführenden Schule am richtigen Platz. Eine fundierte fachwissenschaftliche und pädagogisch-didaktische Ausbildung, soziale Kompetenz, Belastbarkeit und Optimismus sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufslaufbahn. Im Berufsalltag müssen Lehrer/-innen der Sekundarstufe I und II planen und organisieren, zum Beispiel bei Elternabenden, Konferenzen oder Klassenfahrten/Exkursionen. Ein Großteil an Arbeit findet zu Hause statt und ohne direkte Anweisungen. Ein Talent zur Selbstorganisation und Selbstmotivation ist daher unabdingbar.

Als Lehrer/-in muss man seine Schüler auch motivieren können, sonst wird die Vermittlung der Unterrichtsinhalte nicht gelingen. Eine altersgerechte Vermittlung des Unterrichtsstoffes ist notwendig, genau wie die Fähigkeit zu analysierendem Denken, um Arbeitsmethoden anzuwenden und Lernprozesse zu konzipieren.

Im Unterricht kommt es auch mitunter zu Konflikten zwischen Schülern oder zwischen Schülern und Lehrern. Die Fähigkeit, solche Konflikte zu erkennen und richtig zu reagieren, ist ein wichtiges Element auch für den Status der Lehrerin oder des Lehrers in ihrer bzw. seiner Klasse. Durch Klassenarbeiten, Hausaufgaben und Tests erfolgt eine regelmäßige Leistungskontrolle der Schüler durch die Lehrer/-innen. Hierdurch kann das jeweilige Wissen ermittelt und gezielt gefördert werden. Die Ausbildung bestimmter Kompetenzen ist dabei ein wichtiges Ziel. Der Kontakt zu Eltern ist unbedingt notwendig, nicht nur bei Elternsprechtagen. Man muss ein offenes Ohr für die Eltern haben und Sorgen ernst nehmen. Dafür braucht es viel Zeit. Der Unterricht findet morgens und am frühen Nachmittag entsprechend des Stundenplans der Schule statt. In vielen Oberschulen und Gymnasien werden einige Unterrichtszeiten in Blöcken zu 90 Minuten zusammengefasst. Außerdem setzen Schulen häufig Ganztagsangebote um, in denen auch Lehrer/-innen tätig werden können.

Gymnasium

Gymnasiallehrer/-in ist ein verantwortungsvoller Beruf mit hohen Ansprüchen. Das Gymnasium vermittelt Schülern mit entsprechenden Leistungen, Begabungen und Bildungsabsichten eine vertiefte allgemeine Bildung, die für ein Studium an Hochschulen und der Berufsakademie vorausgesetzt wird; es schafft auch Voraussetzungen für eine berufliche Ausbildung außerhalb der Hochschule. Im Vergleich zur Oberschule ist die Leistungsanforderung hier wesentlich größer, besonders in der gymnasialen Oberstufe, in denen Leistungskurse auf Hochschulniveau belegt und somit Schwerpunkte gesetzt werden. Das Gymnasium schließt mit dem Abitur ab. Die Anforderungen an die zentralen Abschlussprüfungen sind hoch – für Schüler und Lehrer.

Im täglichen Arbeitsablauf muss die Lehrerin bzw. der Lehrer einen guten Umgang mit Menschen pflegen, natürlich in erster Linie mit den Heranwachsenden. Jeden Tag müssen neues Wissen und Kompetenzen vermittelt und gefestigt werden. Es muss gefördert und gefordert werden, aber auch bewertet und mitunter kritisiert. Der Bildungserfolg jedes einzelnen Schülers steht im Mittelpunkt, Empathievermögen ist hier gefragt.

Oberschule

Lehrerinnen und Lehrer an der Oberschule unterrichten Schüler/-innen der Klassen 5 bis 10. Sie ist damit eine der weiterführenden Schulen nach der Grundschule. Die Oberschule vermittelt eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung. Sie schafft die Voraussetzungen für eine berufliche Qualifizierung und bereitet Schüler mit entsprechenden Leistungen, Begabungen und Bildungsabsichten auf den Übergang an andere weiterführende Schulen vor.

Oberschullehrer/-in ist ein interessanter Beruf mit vielen Facetten. Der Einsatz erfolgt in der Regel entsprechend der Fächerkombination, für die man sich im Studium entschieden hat. Am Ende der Klasse 9 oder 10 stehen zentrale Abschlussprüfungen, so dass es unbedingt notwendig ist, die Lehrplanvorgaben umzusetzen. Neben der Vermittlung von Fachinhalten ist der Beruf vor allem auch von erzieherischen Fähigkeiten gekennzeichnet. Das gesellschaftliche Wertesystem und das soziale Verhalten erlernen die Kinder und Jugendlichen im Klassenverband mit aktiver Unterstützung der Oberschullehrer/-innen. Dabei treten mitunter auch Probleme auf, die nur mit entsprechendem persönlichem Einsatz des Lehrers bewältigt werden können.

Berufliche oder berufsbildende Schulen bzw. berufliches Gymnasium

Das Berufsfeld eines Lehrers an einer berufsbildenden Schule ist abwechslungsreich und breit gefächert, da unter dem Dach eines Berufsschulzentrums bis zu fünf Schularten untergebracht sein können:

  • die duale Ausbildung als Kernaufgabe (wechselweise Ausbildung im Betrieb und der Berufsschule; in der Regel drei Jahre mit Ausbildungsvertrag) sowie berufsvorbereitende Maßnahmen
  • das berufliche Gymnasium mit Schwerpunkt auf einer bestimmten Fachrichtung
  • die Fachschule (Erwerb einer Zusatzqualifikation nach abgeschlossener Berufsausbildung)
  • die Fachoberschule (Erwerb der Fachhochschulreife)
  • die Berufsfachschule (Erwerb eines staatlich anerkannten Berufsabschlusses in vollzeitschulischer Ausbildung)

Die Kernaufgabe der Berufsschule besteht in der Vermittlung fachtheoretischer und fachpraktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten bei gleichzeitiger Vertiefung der Allgemeinbildung. Die Lehrer/-innen unterrichten daher oftmals sowohl in fachtheoretischen und allgemeinbildenden Fächern. Besondere Anforderungen werden auch an das pädagogische und methodische Können gestellt, da das Klientel vom Förderschüler bis zum Abiturienten reichen kann. Wichtige Voraussetzungen für eine(n) gute(n) Berufsschullehrer/-in sind neben der fachlichen Kompetenz auch die Freude im Umgang mit Jugendlichen, ein gutes Einfühlungsvermögen und zunehmend sozialpädagogische Fähigkeiten. Die Ausbildung zum Berufsschullehrer findet in Sachsen nur an der TU Dresden statt.

Zusätzlich zum Abitur wird eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. ein einjähriges Berufspraktikum vorausgesetzt. Es ist zu empfehlen, dass bereits vor Studienbeginn Erfahrungen im Berufsfeld der gewählten Fachrichtung erworben werden. Zulassungsvoraussetzung für die 1. Staatsprüfung (am Ende des Studiums) sind 12 Monate Berufspraxis, die sowohl durch eine einschlägige Berufsausbildung oder ein selbst organisiertes Praktikum vor oder während des Studiums erworben werden kann.

Es müssen eine berufliche Fachrichtung und ein allgemeinbildendes Fach abgeschlossen werden. Eine weitere Gruppe von Lehrern, die an berufsbildenden Schulen zum Einsatz kommt, sind die Fachlehrer. Diese sind in erster Linie für die Vermittlung fachpraktischer Inhalte verantwortlich, werden aber in der Regel auch fachtheoretisch im Lernfeldunterricht eingesetzt. Fachlehrer in Sachsen sind zumeist Meister mit Zusatzqualifikation. Durch den fehlenden Hochschulabschluss liegt die Bezahlung jedoch weit unter der eines studierten Berufsschullehrers. Die Fachrichtungen, welche im berufsbildenden Bereich studiert werden können, sind sehr vielfältig. Besonders gute Einstellungschancen werden in Zukunft jedoch im gewerblich-technischen Bereich liegen. In diesem wird eine „Kooperative Ausbildung im technischen Lehramt“ (KAtLA) angeboten. In insgesamt 12 Semestern können das Höhere Lehramt an berufsbildenden Schulen und gleichzeitig ein anerkannter Facharbeiterabschluss erworben werden. Nähere Infos dazu erhält man unter: http://tu-dresden.de/ew/katla

Absolventen mit dem Abschluss für das Höhere Lehramt an berufsbildenden Schulen können nicht nur an berufsbildenden Schulen, sondern auch an anderen betrieblichen oder überbetrieblichen Weiterbildungs- und Fortbildungsstätten tätig werden.