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Schule mal anders – ein Besuch in Indien

Zwar liegt die Indienreise unserer Kollegin Susann Seibert schon ein paar Monate zurück, aber trotzdem wollen wir euch noch einen kleinen Einblick geben, wie die Schule dort funktioniert und mit welchen alltäglichen Problemen man konfrontiert wird.

In den letzten Herbstferien besuchte ich mein Patenkind, welches ich über Plan International unterstütze, in der Stadt Ranchi, 1000 km südöstlich von Neu-Delhi und 300 km westlich von Kalkutta, in Indien. Vor Ort bekam ich die Möglichkeit, Schulen und einen Kindergarten zu besuchen. Bei dem mir gebotenen Anblick, stellte sich schnell die Frage: Welcher Lehrer würde jetzt noch über nicht funktionierende Technik jammern? Wäre er hier an einer dieser Schulen Lehrer, würde er nicht jammern, da es schlichtweg keine Technik gibt. Pro Klasse gibt es ca. 50 Schüler, einen Lehrer und eine Wandtafel. Schulbücher müssen die Schüler selbst kaufen. Mädchen bekommen sie gratis, da sie ansonsten nicht in die Schule gehen würden.

Den Schülern der Abschlussklasse stiftete ich je Schüler 5 Bleistifte, 1 Fineliner, 1 Spitzer, 1 Radiergummi und ein Schreibheft. Zusätzlich finanzierte ich Sportartikel für die ganze Schule und den Kindergarten. Aber dass mir die Kinder dafür die Füße küssen wollten, fand ich befremdlich! Wie oft ermahne ich meine Schüler, dass wir bitte sparsam mit Papier umgehen weil dafür Bäume sterben und dass Stifte nicht achtlos umherfliegen oder gar noch funktionstüchtig in den Müll wandern.

Ich bekam in Indien aber nicht nur Einblick in die materielle Situation der Bildungseinrichtungen, sondern auch in die Methodik, welche sich sehr fortschrittlich an der Reformpädagogik orientiert.

Zunächst wurde mir das Kinderparlament vorgestellt – u.a. mit Ernährungsminister und Händewaschminister. Dann erklärte man mir, wie dort peer-teaching funktioniert – die pure Binnendifferenzierung. Davon würde ich hier an mancher Schule träumen! Peer-teaching gestaltet sich folgendermaßen: Lernstarke Schüler vermitteln lernschwächeren den Lernstoff. Man könnte es als Mini-Prof sehen – der individuelle „Nachhilfelehrer“ 1-1 oder in Minigruppe. Aufgrund des warmen Wetters ist es auch draußen möglich.

Wirklich erschreckend fand ich hingegen die sanitären Einrichtungen. Von Projekten in Afrika, die durch andere Organisationen unterstützt werden, weiß ich, dass so etwas Mütter davon abhält, ihre Töchter in die Schule zu schicken.

Nach einem längeren Gespräch mit dem staatlichen Manager der Organisation, konnte ich ihn davon überzeugen, dass in diesem Dorf bis Ende des Jahres 2017 Toiletten in Schule und Kindergarten gebaut werden, nach Geschlecht getrennt und mit Waschbecken. Bisher gibt es nämlich nur ein Loch ohne Waschbecken für beide Geschlechter zusammen. In dem Dorf, wo mein Patenkind wohnt, gibt es 4 Kindergärten, die von Plan International errichtet worden sind. Einen davon konnte ich besichtigen. Es kamen jedoch Kinder aus allen Kindergärten, da sie mich unbedingt kennenlernen wollten.

An Hand von Fotos konnte ich sehen, wie dies in anderen Dörfern schon mit Hilfe von Spenden umgesetzt werden konnte, sodass ich mich in meiner Entscheidung eine solche Patenschaft zu übernehmen, bestärkt fühle. Vielleicht regt dieser Bericht ja den ein oder anderen an, sich auch über eine mögliche Patenschaft oder eine sonstige Unterstützung in einer der vielen armen Region der Welt Gedanken zu machen.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Gandhi: „Sei die Veränderung, die du sehen willst!“

Mit besten Wünschen

Susann Maria Seibert
Lehrerin für Englisch, Französisch, Spanisch

Nachtrag: Laut Susanns Auskunft war es leider auf Grund der sehr langsamen Bürokratie nicht möglich, die Toiletten bis Dezember 2017 zu installieren. Sie steht aber weiterhin im regen Austausch mit Leuten vor Ort und ihre Reise hat Sie zudem bewogen, eine 2. Patenschaft für ein Mädchen im Gebiet Ranchi zu übernehmen. Für Oktober 2018 ist die nächste Reise nach Ranchi bereits fest geplant und sie hat jetzt schon begonnen, Büromaterial für die Schulen zu sammeln.

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